Neuer Mann, alte Fragen

Die Kunstakademie wählt den Baukünstler Karl-Heinz Petzinka zum Rektor

Rektoratswahlen erfolgen gewöhnlich ohne Gegenkandidatur. So die eiserne Regel an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Doch verlief die Wahl von Karl-Heinz „Calle“ Petzinka zum neuen Rektor keineswegs unspannend, noch ohne Spannungen.

Petzinka, bereits 2008 unter Markus Lüpertz als Professor für Baukunst (Fachbereich 1) berufen, wurde vom Senat „mit großer Mehrheit“ für die nächste Amtsperiode bis 2022 gewählt. Aber nur weil die eigentlichen Favoriten Andreas Gursky und Gregor Schneider (mit den meisten Stimmen erst kürzlich in den Senat gewählt) gar nicht erst angetreten wollten und sich auch die eigentliche Gegenspielerin, Rita McBride keine weitere öffentliche Niederlage leisten wollte.

So kam Petzinka in die Position des Favoriten des Lagers, das eine Wiederwahl McBrides auf alle Fälle verhindern wollte. Bis zuletzt blieb unklar, ob Rita McBride sich nicht doch zur Wiederwahl stellen würde. Sie steckte erst auf, als sich hinter Petzinka eine stabile Mehrheit versammelt hatte.    

So ist auch zu erklären, warum die beiden Prorektoren Robert Fleck und Johannes Myssok, der eine Professor für Kunst und Öffentlichkeit, der andere Kunsthistoriker, beide noch durch Tony Cragg in ihre Ämter gekommen, bestätigt wurden. Petzinka, Fleck und Myssok bildeten zusammen mit dem seit Anfang 2017 amtierenden Kanzler Jörn Hohenhaus künftig das Rektorat. Der die Akademie lähmende Dauerzwist mit McBride um deren eigenmächtige wie egomanische Amtsführung scheint damit gelöst.

Gleichwohl, ein Generationswechsel sieht anders aus. So klar die Wahl auch ausgefallen ist, die Gräben liegen offen. Es ist ein Zeichen der Verunsicherung, sicher auch einer strukturellen Krise, daß sich erstmalig in der Geschichte der Kunstakademie kein Künstler zur Wahl für das Rektorat stellte. Der Kunstmarkt fordert seinen Tribut genau an den Künstlern, die irgendwie erfolgreich sind und alsbald mit einer Professur geadelt werden. Da bleibt wenig Zeit für die Lehre noch gar für Ehrenämter.

Das Traumergebnis allein wird die Zwistigkeiten und Animositäten im Kollegium nicht beenden. Die Kunstakademie ist gespalten und orientierungslos, die große Zukunftsfrage steht sperrangelweit offen. Unter McBride hat sich die Akademie weiter entzweit. Es hat sich ein Köln-Block gebildet, der gegen den Düsseldorf-Block in Opposition steht.

Petzinka, der seine letzten Jahre vor der Emeritierung nun als Rektor krönen mag, gilt nicht nur als ein hervorragender Architekt (1994 gründete mit Thomas Pink das Büro Petzinka Pink Architekten, das u.a. für das Düsseldorfer Stadttor, das Konrad-Adenauer-Haus und die Vertretung des Landes Nordrhein Westfalen beim Bund in Berlin sowie den Umbau der Jahrhunderthalle in Bochum zum Festspielort der RuhrTriennale steht), sondern vor allem als gewiefter Manager. Im Oktober 2004 übernahm er die Geschäftsführung des Immobilienriesen THS und baute deren Hauptverwaltung in der Zeche Nordstern in Gelsenkirchen spektakulär aus – samt 16 Meter hoher Lüpertz-Skulptur auf dem Dach (siehe unten). Ende 2011 wurde er überraschend entlassen. Die Gründe blieben im Dunkeln. 2007 wurde Petzinka einer der vier Programmdirektoren der RUHR.2010 GmbH. Er betreute das Themenfeld „Stadt der Möglichkeiten“ (Architektur, Stadtentwicklung und Bildende Künste). Seit 2012 bekleidet Petzinka auch eine Professor an der Universidad de Austral de Chile mit dem Schwerpunkt Stadtplanungen in außereuropäischen Ländern.

Zum 1. August wird er, nach der Bestellung durch den NRW-Wissenschaftsminister, Rektor der Kunstakademie. Seitdem Hans Schwippert zwischen 1956 und 1966 Rektor der Akademie war, gab es keinen Architekten mehr, der dem Rektorat vorstand. Schwippert immerhin hatte  der Akademie seinerzeit internationalen Auftrieb verschafft.

Was ist zu erwarten? Schon sieht sich Petzinka als Moderator und Friedensstifter. Um eine Interessenkolision zu vermeiden, legte er vorsorglich die Ateliers auf dem Bahndepot am Steinberg auf Eis. Vor allem aber wird der neue Rektor das gestörte Vertrauen zum Wissenschaftsministerium zurückgewinnen müssen.

Neben der Befriedung der Blöcke, steht die Zukunft der Kunstakademie auf dem Programm. Noch nie standen so viele Neubesetzungen wie jetzt an. Aktueller Stand, nachdem auch Katharina Grosse überraschend ihren Abschied verkündet hat, 13.  Auf Notberufungen will Petzinka, wie zu hören ist, verzichten. Also ist Eile bei den Berufungsverfahren geboten. Damit ist es nicht getan. Eine selten große Chance des Generationswechsels bietet sich. Doch nur in Zusammenhang mit einer inhaltlichen Neuausrichtung wird aus der Chance eine bessere Zukunft.

Als Professor für Baukunst wird Petzinka um die Schieflage der Abteilung Baukunst insgesamt wissen. Die Studenten dort sehen sich vom Akademiegeschehen abgehängt, können keinen Abschluß machen und erhalten auch keinen Akademiebrief. Genug Aufgaben also für einen kampferprobten Mann wie Calle Petzinka.

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