E.OFF

Was wird aus dem Museum Kunstpalast nach dem Ausstieg von E.ON?

Keine Sensation, bloß eine knappe Meldung: Der Energiekonzern E.ON läßt die Public Private Partnership mit der Stadt Düsseldorf zur Unterhaltung des Museum Kunstpalast Ende 2017 auslaufen. So knapp die Nachricht, so bitter ihr Inhalt, trifft sie die Kunststadt am Rhein just zu einer Zeit, da die, hin- und hergerissen zwischen Sparzwängen und internationaler Geltung, Off-Raum Blüte und Hochkultursiechtum, nicht weiß, wo sie mit ihrem Museum hin will. Der Posten des Generaldirektors Beat Wismer steht zur Neubesetzung an, eine Findungskommission wurde berufen. Da trifft die Absage aus Essen die Stadt wie ein Schlag in den Nacken.

Geballte Ratlosigkeit

Eilig berief Düsseldorfs OB Thomas Geisel (SPD) eine Pressekonferenz ein. Geisel ist Vorsitzender der Stiftung Museum Kunstpalast und Vorsitzender der Berufungskommission für die Wismer-Nachfolge. Gleich dreifach gefordert ist der OB also, dem Museum im Ehrenhof eine bessere Zukunft zu weisen. Bloß welche? Geisels Ratlosigkeit verriet sich in einem mit breitem Grinsen ausgesprochenen Satz: „Das Museum bleibt im Ehrenhof“. Ein Bekenntnis zu seinem Museum hört sich anders an. Geisel kennt inzwischen die engen Grenzen seiner Spielräume, politischer Minimalismus wird das Museum jedoch weiter in die Krise stürzen. Weder Geisel, noch eine der drei ihn tragenden Ratsfraktionen SPD/Grüne/FDP scheinen bereit, dem MKP weitere Mittel aus der Stadtkasse zukommen zu lassen. Mit gut zwölf Millionen Euro Jahresetat und immerhin noch 53 Vollzeitstellen gehört das MKP gewiss zu den großen Häusern im Land, doch längst nicht zu den bedeutenden. Verständlich, daß Geisel lieber „mit Dankbarkeit zurückblicken” will. Wo neue Partner für die aufgekündigte PPP gewinnen? Wie aber das Museum international positionieren? Geisel ganz trendy: „Wir suchen immer neue Partner“.

Rückzug in Raten

Es war ein Rückzug in Raten. Steuerte in der Anfangsphase der PPP, die vor allem aufgrund der Freundschaft von Hans-Heinrich Große-Brockhoff (CDU) mit dem damaligen Vorstand der VEBA, Ulrich Hartmann, zuwege gebrachte Stiftung MKP, der Energiekonzern jährlich zwei Millionen bei, sank der Zuschuß bald auf 1,5 Millionen, dann auf 750.000 Euro pro Jahr. Zudem sprangen die beiden anderen privaten Partner ab, die Degussa vor Jahren schon, die Metro AG im letzten Jahr. Von Anfang an befand sich die PPP in Schieflage. Streitereien um Kompetenzen und Befugnisse waren an der Tagesordnung. Eher mißtrauisch denn partnerschaftlich beäugte man den Einfluß des Konzerns auf das Ausstellungsprogramm. Das besserte sich erst unter Beat Wismer und Harry Schmitz, der 2011 von der E.ON als Kaufmännischer Direktor ans MKP wechselte. Zuletzt betrug der Beitrag der E.ON zum Gesamtetat noch ganze sechs Prozent. Mit dem Komplettausstieg ist das PPP-Modell insgesamt gescheitert. E.OFF. Ein anderes Unternehmen zu finden, das in die Bresche spränge, dürfte ein frommer Wunsch Geisels bleiben. Auch die Gesamtkonstruktion, Museum mit angeschlossener Kunsthalle, bleibt schwer angeschlagen zurück.

Die PPP Stiftung kam 1998  zustande, vor allem weil die E.ON (damals noch VEBA) eine neue Konzernzentrale in Düsseldorf errichten wollte. Wer damals auf die Idee verfallen ist, dies auf dem beengten Grundstück hinter dem Ehrenhof zu bewerkstelligen, liegt im Dunkeln. Um hier, auf einem städtischen Grundstück, Platz für einen Verwaltungsneubau zu schaffen, mußte der weitläufige Kunstpalast, 1902 im Belle Époque-Stil errichtet, aus dem Weg geschafft werden. Der Totalabriß des traditionsreichen Kulturbaus stand an der Wiege des MKP, eines Klons aus städtischen Kunstsammlungen und einer Kunsthalle, die im schmalen Neubauflügel (Architekt O.M. Ungers) hinter der neusachlichen Fassade von 1923 (Wilhelm Kreis) einquartiert wurde. Auch war man sich nicht zu schade, den Namen eben jenes schmucken Ausstellungsbaus zu übernehmen, den man doch eben erst zerstört hatte. Zusammen ergibt das auch nach 18 Jahren Großversuch kein klares Profil. Die Sammlung ist zerfasert und schwer düsseldorflastig, die Kunsthalle will international mitspielen. Das Museum litt über die Jahre an etlichen Baumängeln, wie der Neubau-Palast an Geldschwund. Unter dem gespreizten Namen hat sich auch nach bald zwanzig Jahren keine Einheit gebildet, eher zwei Betriebe, mit zwei unterschiedlichen Drehmomenten und Geschwindigkeiten unter einem undichten Stiftungsdach.

Pannen Pech Pleite. Außer Spesen nichts gewesen?

Nach dem Beschluß des E.ON-Vorstands, die Konzernzentrale nach Essen zu verlegen, mußte man in Düsseldorf mit dem Aus der PPP-Stiftung rechnen. Nun macht die E.ON die Rechnung auf und pocht auf Dank für ihre Großzügigkeiten. Insgesamt 60 Millionen Euro seien in 18 Jahren in den Ehrenhof geflossen. An Spenden für den laufenden Betrieb, wie an Sponsoring für große Ausstellungen, zusammen gut 42 Millionen. Dazu rechnet man 15 Millionen Euro für die Sanierung des historischen Eckgebäudes, gleichfalls aus dem Jahr 1902, das die E.ON bis 2022 weiterhin nutzt und dafür 300.000 Euro Miete pro Jahr an die Stadt überweist (die Mieteinnahmen kommen gänzlich dem MKP zugute). Dazu weitere drei Millionen Euro für sonstige Zuschüsse. Damit leistete sich E.ON nach eigenen Angaben die größte kulturelle PPP in Deutschland. Was das Unternehmen aber laut verschweigt, ist der Mehrwert, der Benefit, den es aus seinem Engagement zog. Nirgends ein Wort dazu. Immerhin konnte sich der Stromkonzern lange damit brüsten, ein Ausstellungshaus samst angeschlossenem Museum vor der Haustür zu unterhalten und die eigenen Sammlungsbestände repräsentativ auszustellen oder zumindest zu lagern.

Die E.ON-Zahlen täuschen überdies. Spenden und Sponsoring konnten in der gesamten Höhe abgesetzt werden. Also zahlte der Steurzahler die freundlichen Zuwendungen der E.ON in beträchtlicher Höhe mit. Die alte Konzernzentrale steht auf einem städtischen Grundstück, die E.ON Akademie gleichfalls. Noch zwei Ausstellungen des MKP will E.ON über 2018 und 2019 in Höhe von insgesamt einer Million Euro sponsern. Wie haben wir gelernt: Sponsoring ist in voller Höhe als Werbeaufwand vom Betriebsergebnis absetzbar. Hört sich nach Ablaß an, gezahlt für die Hinterlassenschaft im Ehrebnhof. Am neuen E.ON Hauptsitz Essen will man mit dem Folkwang -Museum keine neue PPP mehr eingehen. Als Einstieg will man dort die Katharina Fritsch-Ausstellung mit einem fünfstelligen Betrag sponsern.

Die Stadt Düsseldorf hat sich lange darauf verlassen, die Partnerschaft mit E.ON sei von Dauer. Bei Gründung der Stiftung sprach niemand davon, daß es eine Partnerschaft auf Abruf sei, ein Lebensabschnittsgeschäft. Wie hätte man auch den Abriß des alten Kunstpalastes durchsetzen können, wenn man nur geahnt hätte, daß nach 18 Jahren Schluß ist mit PPP. Auf sich selbst gestellt, fehlt der Stadt heute offenbar die Kraft und auch die Vision, was man aus der schwierigen Konstruktion im Ehrenhof gewinnen könnte. Wer glaubt, daß nun die Suche nach einem Nachfolge für Wismer schwieriger werde, mag sich täuschen. Nur wird sich das Niveau der Kanditaten und Kandidaten dem Sinkflug des MKP anpassen.

Was nun? Was tun!

Zur Meldung vom Ende der PPP-Stiftung im Ehrenhof gesellten sich an diesem Tag zwei weitere aktuelle Nachrichten: Max Hollein verläßt Frankfurt, um am 1. Juni Direktor des Fine Arts Museums of San Francisco zu werden. Die Düsseldorfer Metro AG spaltet sich in zwei getrennte Unternehmen auf. Natürlich wäre Hollein auch ein Kandidat für die Leitung des  MKP auf dem Weg zu neuer internationaler Reputation  gewesen. Der Düssseldorfer Kulturdezernent Lohe holte sich schon einen Korb, als er Hollien in die Berufungskommission einladen wollte. Den langjährigen Direktor von Schirn, Städel und Liebighaus, hätte er gut nach den Bedingungen fragen können, wie ein solches Haus nach vorne zu bringen sei und auch danach, unter welchen er an den Ehrenhof wechseln wolle. Zu spät.

Das Beispiel des Ex-Partners Metro zeigt, daß es sinnvoll sein kann, sich in zwei Bereiche aufzuspalten.

C. F. Schröer

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